Glenburgie, 20yo, 06/1996 – 02/2016, 54,3%, Bourbon Hogshead, Only 266 Bottles, Anam na h-Alba

Glenburgie, 20yo, 06/1996 – 02/2016, 54,3%, Bourbon Hogshead, Only 266 Bottles, Anam na h-Alba

Der Vergnügungspark hat geschlossen, es ist Spätsommer. Über den Buden und Fahrgeschäften hängt noch der Geruch von Zuckerwatte und Liebesäpfeln, Zwischen den Karussellen hallt noch das Lachen fröhlicher Kinder. Stille legt sich langsam wie Laub auf Herbstboden.

Ich mache eine letzte einsame Fahrt auf der betagten Achterbahn, ächzend ziehen die Ketten die Wagen empor zur Spitze und dort verharren sie einen Moment mit mir. Diesen Augenblick nehme ich mit allen Sinnen in mich auf, genieße die frische spätsommerliche Luft und mein Blick schweift aus dieser Höhe über wogende Felder und Wiesen bis hin zum fernen Meer.

Dann geht es rasant, fast senkrecht abwärts und der Ritt auf der Achterbahn beginnt…………..

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Farbe:

Sattes Gold mit rötlichem Schimmer.

Nase:

Frisch gewaschene Birnen, Apfel- und Orangenschalen. Eine betörende Fruchtigkeit, gepaart mit einer Prise Ingwertee und bunter Pfeffer prägt das Aroma dieses Malts.

Später gesellt sich etwas frische Minze hinzu und aufkommende Süße erinnert an handgemachte Vanillesoße. Untermalt von leicht malzigen und an Gebäck erinnernde Noten.

Nach einiger Zeit im Glas wird der Dram etwas kantiger, geriebene Walnußschalen und ein massiver Eßzimmertisch dessen Oberfläche noch leicht feucht von der Politur ist. Auch meine ich noch etwas Leder und minimale Tabaknoten zu erahnen.

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Mund:

Was für ein Antritt……..kraftvoll und voluminös beansprucht der Glenburgie sofort den ganzen Mund. Begleitet von einer vanilligen Süße, untermalt von kräuterigem Honig, prescht die Faßstärke sofort im vollen Galopp los.

Liebesäpfel und Rosinen…….dazu angeröstete Walnüsse. Cremige, helle Schokolade und frisch geschlagenes Holz.

Bienenwachskerzen und asiatische Gewürze………alles Gegensätzlich und doch ineinandergreifend.

Wächserne Apfelschalen und frischer Obstkompott. Und wieder giesst jemand etwas Vanillesoße darüber, nur ein wenig…….dezent und unaufdringlich.

Jetzt langsam meldet sich das Alter zu Wort……immer präsenter wird das Fass, trockenes Holz beginnt die süssen und fruchtigen Noten zu durchwirken, wieder kommt die Politur zum Vorschein. Darüber bleibt etwas Orangenschale, oder getrocknete Orangenscheiben.

Danach:

Trocken und wächsern süß mit langsam ausklingenden Noten von Orangen und Rosinen bleibt dieser Dram noch einige Zeit auf der Zunge.

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Fazit:

Genau so muss Whisky aus dem Bourbon Cask sein!

Ein wahnsinnig komplexer Malt, eine Achterbahn der Sinneseindrücke und doch fügt sich alles wie ein Puzzle zusammen. 20 Jahre im Bourbonfass haben hier einen Whisky kreiert, der trotz einiger Kanten sehr harmonisch daherkommt.

Schade, das es nicht mehr Malts dieser Destille auf dem Markt gibt und schade, dass das Glas jetzt leer ist……

Kilchoman “Distillery Only”, 5yo, 04.04.2008 / 22.04.2013, 60,8%, Bourbon Cask, Cask No. 456/2008, Only 264 Bottles

Kilchoman “Distillery Only”, 5yo, 04.04.2008 / 22.04.2013, 60,8%, Bourbon Cask, Cask No. 456/2008, Only 264 Bottles

Ich schaue aus dem Fenster meines Cottages am Machir Bay, schaue hinaus auf die tobende See im grauenden Morgen.

Blass schiebt sich die Sonne hinter den letzten Wolken hervor, so fahl wie der Dram vor mir auf dem abgewetzten Küchentisch.

Draussen tobt der Sturm, doch hier im Inneren des alten Cottages ist es warm, das Feuer lodert im Kamin und die Zeit steht still und wartet………..wartet auf mich und das flüssige Gold Islays.

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Farbe:

Fahles Gold

Nase:

Sanftes Torffeuer verbindet sich mit einer jungen Süße von Weingummi, tropischen Früchten…….etwas Banane, unreife Birne, und Limone. Honig und Trauben, dazu etwas frischer Seewind. Nasse Sommerwiesen und Asche dazu verbranntes, nasses Holz.

Nach hinten raus wird es etwas schärfer und man beginnt die Faßstärke zu erahnen.

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Mund:

Unerwartet sanft legt sich der Dram auf die Zunge. Zuckriger Honig mit einem Hauch Vanille verwirren kurz die Geschmacksknospen, doch dann lässt der Whisky seine Muskeln spielen. Die Süße zieht sich zurück wie eine Welle am Strand und lässt einen schönen Rauch auf der Zunge liegen. Als wenn hunderte Lagerfeuer am Strand lodern und der aufsteigende Rauch sich mit dem niederprasselden Regen vereint.

Nach hinten raus wird es fruchtiger……reifes Obst, begleitet von pfeffriger Schärfe.

Danach:

Der Abgang ist relativ lang und wärmend. Schärfe geht schnell über in einen fruchtigen Nachklang. Kalte Asche und Rauch bleiben noch lange auf der Zunge.

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Fazit:

Ein wunderbarer junger Islay, für seine fünf Jahre schon sehr komplex und erwachsen. Mit breiter Brust präsentiert sich dieser starke Kilchoman.

Die Destille versteht es einen typischen Islay zu kreieren und doch dabei einen ganz individuellen Malt herzustellen.