Invergordon, 30yo, 01/10/1984 – 28/04/2015, 64,1%, Single Grain Scotch Whisky , SSMC

Invergordon, 30yo, 01/10/1984 – 28/04/2015, 64,1%, Single Grain Scotch Whisky , SSMC

Farbe:

Heller Bernstein.

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Nase:

Warm und malzig steigt er dir entgegen. Eine leichte Holznote lässt sich nicht leugnen, passt aber zu dem ersten Moment des Kennenlernens.

Nach einem Augenblick verfliegt auch der Hauch von Klebstoff und der Dram wird zusehends frischer.

Eine leichte Fruchtigkeit, hauptsächlich Zitrusfrüchte, übernimmt das Kommando. Orangenschalen, die auf einem Kachelofen trocknen, dazu eine Vanilleschote und wieder etwas holzig- nussiges. Warme Milch mit einem Schuss Kakao.

Alles rund und mild, kaum zu glauben das dieser Whisky mit über 60% daherkommt.

Die warme, malzige und getreidige Note vom Anfang hält sich durchgehend und bildet ein schönes Bett für die anderen Aromen.

Invergordon Maggie

Mund:

Was für ein starker Antritt, mir kommen fast die Tränen……vor Freude.

Man spürt sofort die Fassstärke, es zischt fast auf der Zunge, aber gleichzeitig ist dieser Schluck so unsagbar süss, malzig und auch schokoladig das man sich wünscht dieser Moment möge noch etwas länger andauern.

Es folgt ein Übergang in eine pfeffrige Würze, auch sind da noch Kräuter im Spiel. Ingwer, vielleicht auch Kardamon. Wie auch schon in der Nase bleibt immer der malzig warme Grundton und fast schon cremig, später auch leicht bitter holzig, bleibt der Malt weiterhin am Gaumen.

Danach:

Lang und wärmend.

Am Ende bleibt eine angenehme geetreidige Süsse auf der Zunge zurück.

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Fazit:

30 Jahre im Fass haben diesem Single Grain zu einer ungeheuren Komplexität verholfen.

Der Antritt hat mich schlichtweg begeistert und umgehauen, so viel Power nach einer so langen Reifezeit und dazu die schöne Aromenvielfalt…..Hut ab davor.

Mit Wasser wird der Dram weitaus süsser, verliert aber meiner Meinung nach ein Grossteil seiner Kraft und Ausstrahlung.

Aberlour, 22yo, 27.01.1993/28.05.2015, Bourbon Cask, 51,3%, 125 Bottles, Anam na h-Alba

Aberlour, 22yo, 27.01.1993/28.05.2015, Bourbon Cask, 51,3%, 125 Bottles, Anam na h-Alba

Farbe:

Helles Gold

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Nase:

Kaum hat man die Nase über dem Glas,steht man sofort in einer Obstplantage.

Pfirsiche, Mangos, Maracuja und viele mehr drängen sich zu dir auf. Eine absolute Fruchtexplosion. Dazu kommen später auch Bananen, Papayas und etwas frische Ziitrone.

Dieser Fruchtkorb ist ein Füllhorn, immer neues Obst erscheint. Die Früchte liegen überreif und saftig direkt vor deiner Nase. Das alles liegt in einem Korb, geflochten aus Honig und Ahornsirup.

Ist man geduldig und wartet etwas ab, kommen zaghaft einige Gewürze hervor, diese stammen aber aus dem Orient. Nichts aufdringliches Scharfes, eher Mild und weich…..

Etwas Ingwer, eine Prise Fenchel und Anis. Ein Hauch Chili und vielleicht etwas Koriander.

Der Alkohol meldet sich auch an, aber unterstützend, nicht stechend. Alles greift harmonisch ineinander.

Mund:

Hier trumpft der Malt auf, war die Nase eine Fruchtorgie, ist das was jetzt kommt schwer zu beschreiben.

Eine herrliche Vannillesüsse füllt schlagartig den Mund. Schon fast cremig kommt der Whisky daher, Untertöne von Honig bekräftigen das.

Die Fruchtigkeit macht diesem Eindruck schon fast demütig Platz und hält sich dezent im Hintergrund. Man spürt am Rande immer noch die Tropenfrüchte und, ganz neu dazugekommen, etwas Birne.

Es ist fast so, als äße man Fruchtkompott mit Vanillesosse. Wobei der Anteil der Sosse deutlich grösser ist.

Cremige Süsse von Vanille und Honig immer wieder, dazu immer da die Obstplantage……..schliesst man die Augen steht man auf ihr an einem lauen Sommerabend und holt tief Luft.

Die in der Nase noch vorhandenen Gewürze sind auf der Zunge nur noch schwach vorhanden und gehen in eine minimale Holznote über, die dem Malt noch etwas mehr Charakter verleiht.

Danach:

Noch lange liegt  eine schöne Süsse von Vanille und Honig auf der Zunge. Später wird es leicht kräuterig und auch bleibt etwas Eiche am Gaumen.

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Fazit:

This is Malt as it has to be………

Man fühlt sich in alte Zeiten zurückversetzt. In diesem Dram kann man alles um sich herum vergessen.

Genau so, wie man diesem Whisky Zeit im Glas geben sollte, so sollte man sich auch selbst Zeit nehmen, diesen wundervollen Tropfen zu geniessen.

 

Fettercairn, 20yo, 02.1995/06.2015, Bourbon Cask/Cognac Finish, 51,2%, 74 Bottles, Special Bottling for Independent Whisky Summer Party 2015 at Delitzsch, Anam na h-Alba

Fettercairn, 20yo, 02.1995/06.2015, Bourbon Cask/Cognac Finish, 51,2%, 74 Bottles, Special Bottling for Independent Whisky Summer Party 2015 at Delitzsch, Anam na h-Alba

Farbe:

Bernstein

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Nase:

Schwer hängen die Trauben an den Reben, überreif warten sie darauf geerntet zu werden. Es ist ein später Sommerabend und in der Schwüle wartet alles auf ein von der Hitze befreiendes Gewitter.

Die Luft ist aufgeladen und der Malt kribbelt leicht in der Nase, süsser Wein und Früchte umhüllen die Nase. Tief nimmst du die Aromen auf und es gesellen sich süsse Erdbeeeren und Kirschen dazu.

Und immer hängt über allem eine leichte Schärfe, die dezent auf das Cognacfass hinweist.

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Mund:

Das Gewitter entlädt sich über der ausgetrockneten Landschaft, anfänglich kurz aufbrausend, entwickelt es sich rasch zu einem wohltuendem Sommerregen, der alles wieder aufleben und einen süssen Duft in der Luft hängen lässt.

Scharf tritt er an der Malt, er prickelt auf der Zunge und Pfeffer zeigt seine würzige Seite. Dazu kommt eine leichte Säure. Das passiert alles so schnell, das man es gleich noch einmal mit einem zweiten Schluck probiert.

Dieses kleine Intermezzo dauert nicht lange und der Malt entspannt sich. Süss geht es weiter, es ist aber eine herbe Süsse…….Wein, Rosinen und Trockenfrüchte. Orangen….getrocknete Orangen.

Man findet immer noch Anklänge des Bourbonfasses mit seiner Fruchtigkeit und Vanille, aber das Cognacfass hat eine herben Mantel drübergelegt.

Dazu wird der Dram immer trockener, am Ende finde ich Lübecker Marzipan, ohne die Schokolade, nur das reine Marzipan. Auch spürt man, je länger der Dram im Mund ist, etwas Eiche und eine angenehme Malzigkeit.

Danach:

Das Gewitter ist Geschichte, die Nacht bricht herein. Doch man spürt noch lange seine Wirkung.

Etwas länger und wächsern bleibt der Malt zurück. Ein wenig Wein, ein wenig Holz und herbe Süsse………

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Fazit:

Ein kurzes Finish in einem Cognacfass macht aus einem Fettercairn noch kein Raubtier, aber es macht ihn unheimlich interessant. Aus einem eher leichten, floralem Sommerwhisky wurde ein Dram, der auch mal ein wenig die Zähne zeigt. Mir persönlich gefällt, das aus der ursprünglich zuckrigen Süsse etwas prickelndes, herb-süsseres entstanden ist.

Glenfarclas, 11yo, 2004/2015, Sherry Cask, 62,3%, 666 Bottles, Limited Bottling for Kirchhellener Private Tasting Circle

 Glenfarclas, 11yo, 2004/2015, Sherry Cask, 62,3%, 666 Bottles, Limited Bottling for Kirchhellener Private Tasting Circle

Farbe:

Dunkle Glut, Bernstein

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Nase:

Eine explosive Mischung springt dir direkt ins Gesicht, Gut und Böse ringen um die Vorherrschaft.

Auf der einen Seite umschmeichelt eine warme Woge süssen Sherrys deine Nase, gleichzeitig kommt der Alkohol mit voller Wucht nebenher. Butterscotch mildert diesen Angriff gekonnt ab.

Einerseits will der Malt durch Frische gefallen, andererseits will er Stärke durch würzige, holzige Noten demonstrieren.

Gut flüstert:

Ich bin so warm und süss, honiggleich mit einer Prise Zimt und frisch wie ein Wald nach einem Sommerregen.

Böse raunt:

Ich bin so stark das du mir erliegen wirst…….kräftig und würzig verwirre ich deine Sinne. Aber ich kann auch deinen Geist umschmeicheln durch zarte Vanille gepaart mit einer jungen Eiche.

Mund:

Trocken und herrlich süss legt sich der Sherry auf deine Zunge. Dunkle Früchte, etwas Kirsche und Waldhonig betten sich auf scharfen, pfeffrigen 62,3%.

Diesen ersten Eindruck möchte man halten…..aber dann geht es rund.

Während man noch im Genuss von Frische und Honigsüsse schwelgt, zeigt der Teufel seine derbe Seite. Würziges Barbecue und eine kräftige Eiche vermengen sich mit den Früchten. Scharfe Gewürze über Himbeeren und Kirschen gestreut.

Ein Hauch von Lagerfeuer breitet sich zaghaft aus, kann sich aber gegen den Mix aus Süsse und Gewürzen nicht behaupten.

Gut triumphiert mit mit einer absolut runden Süsse die auf der Zunge zu gefallen weiß, Böse kontert mit Schärfe, Pfeffer und würziger Eiche.

Danach:

Warm breitet sich der Malt in dir aus und erzeugt ein angenehmes Gefühl, auf der Zunge ist noch ein Rest von Honig und Holz.

Auch glimmt immer noch das Feuer.

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Fazit:

Dieser Malt ist kein Komplexitätsmonster, trotzdem sehr vielschichtig. Und Eines kann ich mit Gewissheit sagen:

Es macht unheimlich viel Spass ihn zu trinken, ihn zu erfahren.

Ob Gut oder Böse gewinnt…….egal, die Kombination von Beidem macht diesen Dram aus.

Am Ende habe ich das Gefühl, Gut und Böse haben einen Pakt geschlossen um uns diesen kleinen Teufel zu präsentieren.