Tullibardine, 6yo, Highland Single Malt Scotch Whisky, 54,4%, Sherry Finish, Anam na h-Alba

 

Seit Ewigkeiten war er hier gefangen, tief unten im Berg.

Verbannt und eingeschlossen durch finsterste Magie.

Doch er war stark, die Einsamkeit konnte ihn nicht brechen, und eines Tages wird seine schuppige Haut die Wärme der Sonne wieder spüren.

Die Flügel angelegt wartet der Drache in der engen Finsternis, seine Zeit wird wieder kommen.

Feuer ist sein Schwert und Rache sein Schild.

Farbe:

Bernstein

Nase:

Seine Jugend vermag dieser Malt nicht zu verbergen, er will es auch gar nicht. Mit breiter Brust präsentiert er nach dem Einschenken den Alkohol, begleitet von einer Frische taubedeckter Wiesen und frisch geschlagener Eiche.

Der Alkohol verfliegt sehr schnell und macht einer, sich zögerlich öffnenden, Süße platz. Gezuckerte Mandeln und dunkle Füchte gesellen sich zu einem Hauch von Bratapfel und karamellisiertem braunen Zucker.

Über allem steht die Frische einer grade gemähten Wildblumenwiese.

Mund:

Eine angenehme Schärfe zieht wie ein kurzes Sommergewitter über die Zunge und bereitet die Bühne für eine cremige Karamelligkeit durchsetzt von Honig und einer Prise Zimt.

Eingekochte Früchte, trockene Datteln und Feigen.

Würzige Pfeffermischung und wieder frisches Holz. Zudem kommt immer mehr eine staubige, getreidige Note zum Vorschein……etwas Porridge mit roten Beeren und auch ein paar Rosinen.

Danach:

Abklingende Schärfe und trockene Süße……..eher etwas kurz.

Fazit:

Dieser junge Highlander strotzt vor Kraft und hat Biss, weiß aber auch durch eine durchaus schon vorhandene Komplexität zu glänzen. Unbekümmert und frech, hier und da etwas kantig, kommt dieser Malt daher und lädt zum Geniessen ein.
Ich habe ihn später noch einmal mit etwas Wasser probiert und rate davon ab, der Whisky bekommt eine etwas metallische Note, die wohl seiner Jugend geschuldet ist

Tullibardine, 26yo, 04.1989//05.2015, Bourbon Barrel, 53,3%, 36 Bottles, Anam na h-Alba

Tullibardine, 26yo, 04.1989//05.2015, Bourbon Barrel, 53,3%, 36 Bottles, Anam na h-Alba

Farbe:

Strohgelb.

IMG_7731

Nase:

Der Waldboden auf dem du geschlafen hast ist warm und feucht.
Moos vermischt sich mit etwas frischer Minze die vereinzelt unter den Bäumen wächst.

Eine schwere Süße kommt dir in die Nase, das Obst in der Tasche solltest du bald essen. Etwas Banane und Apfel ist noch da.

Erste Sonnenstrahlen brechen durchs Geäst und das klamme feuchte GEfühl schwindet, Kräuterduft beginnt sich auszubreiten, so wie die Hustenpastillen derer, die es erfunden haben.
Dazu ein Hauch von Honig und Vanille.

Am Waldesrand liegt ein kleiner See mit einem Bootsschuppen, in dem vor kurzem noch gewerkelt wurde…….Holzleim, feuchte Sägespäne und ganz weit hinten, kaum wahrzunehmen, ein ausgebrannter Bootsrumpf.

Mund:

Im Wald kündigt sich der Herbst an.

Herb und kräftig heisst hier die Marschrichtung, dazu kommt beim Antritt auch eine cremige, kräutrige Honigsüße dazu.

Das Laub beginnt zu vermodern, nasse Baumrinde und würzige Eiche. Alles untermalt duch eine leichte Malzigkeit.

Auf einem Lagerfeuer wird Kräutertee gekocht und mit Honig und einer Prise Vanille gesüsst.

Trockenfrüchte ergeben das Abendbrot…..Feigen und Datteln, dazu noch ein paar Beeren und Obstschalen.

Danach:

Warm und herb, süss und holzig……….und ein Hauch von Kräutern, die noch lange am Gaumen bleiben.

Der Sommer neigt sich dem Ende zu.

 IMG_7724

Fazit:

Lange Zeit schlief dieser Whisky tief in seinem Fass. Wir sollten uns vorsichtig an ihn herantasten.
Er braucht Ruhe im Glas und später viel Aufmerksamkeit, und die hat er voll und ganz verdient.

Ein durchgereifter Whisky, der uns mit einer Fülle an Eindrücken und Aromen für unsere Geduld belohnt.